20.02.2020

Hering: Für atlanto-skandische Bestände droht Verlust des MSC-Zertifikats

Die Fischerei auf den atlanto-skandischen Hering könnte zum Jahresende 2020 die Zertifizierung des Marine Stewardship Councils (MSC) verlieren, melden die Undercurrent News. Als Folge wäre mit einem Preisanstieg beim Nordseehering zu rechnen, so die Meinung nicht genannter Quellen aus der Schwarmfischverarbeitung. Das Zertifikat würde zum 30. Dezember 2020 ausgesetzt werden, sollten sich die an der Fischerei auf den AS-Hering - auch als Frühjahrslaicher bezeichnet - beteiligten Nationen bis dahin nicht auf eine Gesamtfangmenge geeinigt haben. Im Gegensatz zur Situation bei der Makrele im Nordostatlantik, deren MSC-Zertifikat im März 2019 ausgesetzt wurde, gibt es zum AS-Hering jedoch den Nordseehering als Alternative. Nach Angaben des ICES wurden im Jahre 2018 insgesamt 602.328 t Nordseehering angelandet, während die Fangmenge beim Frühjahrslaicher bei 592.899 t lag (2017: 721.566 t). Über norwegische Häfen liefen 2019 insgesamt 418.677 t AS-Hering (zu einem Durchschnittspreis von 4,40 NOK/kg = 0,44 Euro/kg) und 96.592 t Nordseehering (für 5,90 NOK/kg = 0,59 Euro/kg).

Insbesondere der Lebensmittelhandel in Deutschland legt Wert auf MSC-zertifizierten Hering. Nachdem der LEH in der Vergangenheit gemeinsam mit dem MSC die Zertifizierung beworben hatte, schwäche es die Glaubwürdigkeit, in Zukunft auf zertifizierten Hering zu verzichten, lautet ein Argument aus der Branche. Auf der anderen Seite würde der Foodservice weiterhin kaufen. Darüberhinaus zeige das Beispiel der Makrele, dass manche Hersteller heute sowohl MSC-zertifizierte als auch nicht-zertifizierte Makrelenprodukte anbieten. Und schließlich gebe es Heringsmärkte wie das Baltikum, in denen kaum Wert auf eine MSC-Zertifizierung gelegt werde. Dennoch sei damit zu rechnen, dass einige Heringseinkäufer im laufenden Jahr verstärkt einkaufen werden, um sicherheitshalber Lagerbestände aufzubauen. Sollte das MSC-Zertifikat zwar zum Jahresbeginn 2021 verloren gehen, jedoch nach Erfüllung der für eine Zertifizierung der Fischerei erforderlichen Bedingungen noch im ersten Halbjahr 2020 wieder verliehen werden, hätte der Verlust nur geringfügige Auswirkungen auf den Markt.

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