08.06.2026
8. Juni – Welttag der Ozeane: Fischerei nur ein Faktor von vielen
Zum Welttag der Ozeane am heutigen 8. Juni rückt die Bedeutung einer nachhaltigen Nutzung der Meere besonders in den Fokus. Das Fisch-Informationszentrum (FIZ) hat aus diesem Anlass mit Dr. Gerd Kraus vom Thünen-Institut für Seefischerei und dem Umweltwissenschaftler Björn Suckow vom Alfred-Wegener-Institut gesprochen. Klimawandel, steigende Meerestemperaturen, Verschmutzung oder zunehmende Nutzungsansprüche verändern marine Ökosysteme bereits spürbar. "Die Situation ist gemischt", erklärt Dr. Gerd Kraus mit Blick auf die Folgen für Lebensräume und Fischbestände: "Während sich einige Fischbestände stabil entwickeln, geht es anderen deutlich schlechter." Besonders die Ostsee gilt dabei als sensibles Ökosystem. "Steigende Temperaturen bringen gerade dort natürliche Abläufe zunehmend durcheinander. Viele Fischarten orientieren sich bei ihrer Fortpflanzung an bestimmten Wassertemperaturen. Verschieben sich diese, kann es passieren, dass Jungfische schlüpfen, bevor ausreichend Nahrung vorhanden ist."
Björn Suckow betont: "Wenn wir aus dem Meer Nahrung und Energie gewinnen wollen, brauchen wir gesunde Meere." Die Ozeane nehmen große Mengen des von Menschen verursachten Kohlendioxids auf und bremsen damit die Folgen des Klimawandels mit ab. Allerdings trägt die steigende Aufnahme von Kohlendioxid dazu bei, dass Ozeane saurer werden. Das könne langfristig marine Lebensräume belasten, etwa Organismen mit Kalkschalen wie Muscheln oder bestimmte Krebstiere. Für Suckow ist deshalb klar: "Wenn wir gesunde Meere erhalten wollen, brauchen wir konsequenten Klimaschutz."
Neben dem Klimaschutz spiele eine entscheidende Rolle, wie marine Ressourcen genutzt und bewirtschaftet werden. Doch Dr. Gerd Kraus erklärt: "Heute spielen Umweltveränderungen, steigende Temperaturen, Nährstoffeinträge – etwa durch Düngemittel aus der Landwirtschaft – oder zunehmende Nutzungsansprüche oft eine deutlich größere Rolle als die Fischerei." Alleine in der Krabbenfischerei sei die Zahl der Fahrzeuge von rund 200 Anfang der 2000er Jahre auf heute knapp 140 zurückgegangen. Der Nordseehering beispielsweise zeige wiederum, dass gutes Fischereimanagement Wirkung haben kann: "Der Bestand galt in den 1970er Jahren als stark überfischt und die Fischerei wurde 1977 geschlossen. Durch konsequente Steuerung und langfristige Wiederaufbaumaßnahmen konnte er sich erholen und liefert seit Jahrzehnten stabile Erträge." Die Experten sind sich einig: Fischerei, Energiegewinnung, Naturschutz und wirtschaftliche Interessen müssen stärker integriert gedacht werden. Björn Suckow nennt ein Beispiel: "Perspektivisch können Offshore-Windparks nicht nur Strom erzeugen, sondern gleichzeitig Raum für Muschel- oder Algenkulturen bieten." Auch Kraus wünscht sich "einen breiten Blick auf die Meere als Gesamtsystem".
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