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21.03.2018  Victoriasee-Barsch: Fischereikontrolle treibt Preise in die Höhe

Victoriasee-Barsch: Fischereikontrolle treibt Preise in die Höhe

Der Importpreis für den Victoriasee-Barsch (Lates niloticus) ist in den letzten zwei Jahren um gut ein Drittel gestiegen. Foto: Verkauf von Nilbarschen in Kampala/Uganda, 2016. (Foto: Sal Roux/Wikicommons)
Der Importpreis für den Victoriasee-Barsch (Lates niloticus) ist in den letzten zwei Jahren um gut ein Drittel gestiegen. Kostete er im Oktober 2016 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes noch etwa 4,80 Euro/kg, so stieg der Preis auf über 7,- Euro im Januar 2017 und lag im September 2017 bei 6,20 Euro. Ursache ist ein sinkendes Angebot. Im vergangenen Sommer hatten die Undercurrent News gemeldet, dass der Victoriasee-Barsch, der "nile perch", erstmals nicht mehr die dominante Spezies im weltgrößten Süßwassersee sei. Stattdessen sind wieder kleinere Arten vorherrschend: die endemische Victoriasardine (Rastrineobola argentea) und der Tilapia (Oreochromis niloticus), außerdem kleinere "trash fish"-Arten, zu deren Reduzierung der Victoriabarsch vor 60 Jahren in dem See eingeführt worden war. Während eine Studie in den Jahren 1999 bis 2002 noch von einem Barschbestand von 1,6 Mio. t ausging, sollen es 2017 nur noch rund 800.000 t gewesen sein.

Ursache für die aktuell geringeren Fänge sind Fischereikontrollen, die in den letzten Jahren intensiviert wurden. Insbesondere in Uganda, das 45% des Sees kontrolliert, geht die Armee des Landes äußert radikal gegen Fischer vor: bis zu 40 Prozent der Fischerboote sollen dort inzwischen zerstört worden sein, teilt Dr. Anthony Munyaho mit, Direktor des Nationalen Fischereiforschungsinstituts (NaFIRRI). Fanggerät werde vernichtet, Fischer brutal geschlagen, schreibt das Portal Secure Fisheries. Allerdings ist die illegale Fischerei auf dem Lake Victoria offensichtlich und weit verbreitet. Auf den Märkten rund um den See werden zahlreiche Barsche, getrocknet und geräuchert, verkauft, deren Größe weit unter der legalen Mindestfanggröße von 50 cm liege. Doch das brutale Vorgehen der Ugandischen Volksarmee (UPDF) soll selbst unter den Fischern Befürworter besitzen. Auch Wissenschaftler des NaFIRRI erwarten, dass diese "Säuberungen" dazu führen, dass die verbleibenden Fischer die Bestände nachhaltiger bewirtschaften können.

Holländische Importeure, die das Portal IntraFish interviewed hat, bestätigen den Preisanstieg. Klaas-Willem Koffeman, Verkaufsleiter bei Dayseaday Frozen, spricht davon, dass TK-Filets etwa 1,60 Euro/kg mehr kosteten. Auch Arjan Oosterlee, Verkaufsleiter bei Anova Seafood, meint: "Die Preise sind die höchsten, die wir seit Jahren erlebt haben." Dennoch sei die Nachfrage nach dem neutral schmeckenden Fisch in Europa anhaltend groß, und zwar sowohl im Lebensmitteleinzelhandel als auch im Großverbraucherbereich und im Großhandel. Nachgefragt würden vor allem Filets und ganze Fische ausgenommen, ohne Kopf, während veredelte Produkte in Europa noch "Zukunftsmusik" seien.

Lesen Sie zum Victoriasee-Barsch auch im FischMagazin-Archiv:
21.02.2014 Victoriasee-Barsch: Exporte in die EU tendenziell rückläufig
25.08.2009 Victoriasee-Barsch: Fänge und Preise eingebrochen

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